Dog Human Walk Hund Hundeschule Hundepsychologie Hundetraining Rheinland-Pfalz Bitburg

Der Weg ist das Ziel

Umso höher du deine Erwartungen ansetzt,
umso mehr setzt du dich und deinen Hund unter Druck.

Stelle dir doch einmal die Frage, wie lange du mit deinem Hund eine Hundeschule besuchen möchtest. So lange, bis er vielleicht deinen Erwartungen entspricht? Oder sollte man eher sagen, bis er den Erwartungen deines Umfeldes entspricht?
Von welchem Zeitraum reden wir dann? Von einpaar Wochen? Einpaar Monaten oder gar Jahren? Wie sieht das perfekte Hundeverhalten überhaupt aus?

Was bedeutet eigentlich “Hundetraining”?
Hundetraining bedeutet an sich, dem Hund ein Verhalten beizubringen.
Demnach dauert ein Hundetraining also so lange, bis dem Hund gewünschte Verhaltensweisen antrainiert wurden? Bis er alle Grundkommandos perfekt beherrscht und sofort ausführt? Einige Hundeschulen verwenden zusätzlich noch ein Bewertungssystem, bei dem die “Schüler” Punkte sammeln können. Eigentlich sind es doch Noten, wie wir sie damals während unserer Schulzeit erhalten haben. Wenn das Trainingsprogramm einheitlich für eine größere Gruppe gilt, wird dann noch auf die Bedürfnisse des jeweiligen Hundes bzw. Teams eingegangen? Wie gut kann unter diesen Umständen ein Hund bzw. ein Team wirklich gute Erfolge erzielen? Werden die wahren Talente des Hundes wirklich erkannt und gefördert?

Geht es wirklich nur darum, möglichst viele Punkte zu sammeln? Dem Hund möglichst viele Verhaltensweisen anzutrainieren, bis er den Erwartungen entspricht?
Wenn du dieser Hund wärst, würdest du die Hundeschule gerne besuchen? Wenn du die Leistungen nicht erbringst, müsstest du noch mehr und härter trainieren. Vielleicht müsstest du noch einen zusätzlichen Kurs besuchen, damit du endlich für dein Herrchen und dein Frauchen die gewünschten Punkte sammelst. Vielleicht müsstest du dir ständig Kritik anhören und harte Worte und Handlungen über dich ergehen lassen. Abgesehen von der schlechten Laune und dem Frust deines Menschen. Auf Spielen und Spaß müsstest du auch verzichten, denn erst nach gut getaner Arbeit, darfst du vielleicht mal aus dir herausgehen. Bist du ein gutmütiger Hund und möchtest vielleicht deinem Menschen gefallen, erträgst du all das und versuchst alles zu geben, was dir möglich ist. Und wenn das aber nicht ausreicht? Naja, vielleicht ist dein Stresspegel mittlerweile so hoch, dass du es schon gar nicht mehr merkst, dass deine Gesundheit zu schwächeln beginnt. Vielleicht gehörst du aber zu den Hunden, die sich all das nicht mehr gefallen lassen wollen, und du suchst dir Ventile, um deinem Unmut kund zu tun.

Fakt ist: Du bist nicht mehr der Hund, der du eigentlich bist!
An deiner Persönlichkeit wurde geschraubt und gedreht. Deine wahren Talente wurden durch neue Verhaltensweisen ersetzt. Einige Verhaltensweisen, die dein Mensch gar nicht mag, sind ganz von selbst hinzugekommen, für die du aber keine Schuld trägst. Deine Fröhlichkeit und deine Freude, etwas Neues mit deinem Menschen zu entdecken, sind verschwunden. Du liebst deinen Menschen immernoch, aber deine Wachsamkeit ist gewachsen und dein Vertrauen zu ihm hat enorm gelitten. Weil du aber abhängig von ihm bist, musst du mit deiner Situation irgendwie zurechtkommen.

Eigentlich warst du ein Hund, der mit großer Neugierde die Welt erkunden wollte.

Fallbeispiel

Es kam eine Kundin zu mir, die einen ca. 3 Jahre alten Hund adoptiert hatte. Er kam aus dem Ausland und lebte vorher auf der Straße. Sie konnte ihn frei laufen lassen. Wenn sie ihn zu sich rief, kam er sofort. Sie hatten ein tolles Miteinander ohne nennenswerte Probleme. Nur war da dieses eine kleine Problemchen. Wenn sie ihn rief, blieb er immer ungefähr auf einen Meter Abstand zu ihr heran. Sie hatte schon einige Hundetrainer um Hilfe gebeten, weil sie wollte, dass ihr Hund näher zu ihr kommen sollte.
Die Aussagen waren alle dieselben: Er würde sie nicht respektieren. Er sei ein Dickkopf und würde sie dominieren wollen. Wenn sie mit ihm trainiere, müsse sie ihm zeigen, dass sie das Alphatier sei. Er bräuchte mal eine richtige Ansage. Die Empfehlungen führten bei der Kundin zu Bauchschmerzen. Als sie mich fand, sollte ich der letzte Versuch sein, eine Erklärung für sein Verhalten zu finden.

Und die Erklärung war ganz einfach zu finden. 🙂 Dieser Hund brachte ihr so viel Respekt entgegen, wie er nur konnte. Ein toller ruhiger und liebevoller Hund. Er hatte auf der Straße gelernt, sich mit Abstand zum Menschen zu setzen. Möglich, dass er sogar mal eine schlechte Erfahrung gemacht hatte. Das Straßenleben ist für die meisten Hunde kein Zuckerschlecken, denn viele Menschen verscheuchen die Hunde und wollen keinen Kontakt zu ihnen. Wäre die Kundin den vorangegangenen Empfehlungen gefolgt, hätte sich der Hund noch weiter weg vor ihr hingesetzt, in dem Glauben, sie bräuchte mehr Individualdistanz!
Die Kundin hatte angefangen zu weinen. Sie war so erleichtert, dass sie den Anweisungen der Hundetrainer nicht gefolgt war. Sie hätte ihrem Hund viel Unrecht angetan!
Wenn der Hund doch auf Rückruf sofort kommt und seinem Menschen ansonsten überallhin folgt und alles für ihn tut, warum unterstellt man ihm Respektlosigkeit und Dominanzverhalten gegenüber seinem Menschen? Diese Ansicht ist ohnehin lächerlich wie auch veraltet! Wie kommt man darauf, einem solchen Hund ein hartes Training antun zu wollen?
Eine Woche nach dem Termin rief mich die Kundin an und erzählte, dass wenn sie ihren Hund jetzt ruft, sitzt er ganz nah bei ihr!! Und das ohne Training. Es passierte ganz einfach. Warum?
Auch ganz einfach erklärt: Weil die Kundin endlich den Gedanken und die Erwartungshaltung losgelassen hatte. Sie hatte ihren Hund so angenommen, wie er war. Sie war völlig frei von irgendwelchen negativen Emotionen und Gefühlen, dafür aber voller Freude, wenn der Hund zu ihr kam. Das ist alles. So einfach! 🙂

Also lassen wir doch einfach mal all die ganzen Erwartungen und den Ehrgeiz los und schauen, wer dieser eine Hund an deiner Seite überhaupt ist. Statt ihm in erster Linie irgendein Verhalten antrainieren zu wollen. Er ist ein Lebewesen mit Gefühlen und Persönlichkeit. Muss er wirklich mittels Schulnoten bewertet werden? Es ist doch viel spannender in seine Welt einzutauchen und zu entdecken, wer er ist.

Also wie lange möchtest du das Hundetraining besuchen, bis du endlich ein schönes gemeinsames Leben mit deinem Hund haben kannst?